Preiswürdige Spitzenforschung: 6. Oppenheim-Förderpreis für Multiple Sklerose verliehen

Im feierlichen Rahmen des 88. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) wurde am 25. September in Düsseldorf zum 6. Mal der Oppenheim-Förderpreis für Multiple Sklerose verliehen. Aus insgesamt 17 Anträgen entschieden sich der unabhängige wissenschaftliche Beirat und das diesjährige neu gegründete Kuratorium bestehend aus Prof. Dr. Sven G. Meuth, Münster, Prof. Dr. Michael Platten, Heidelberg, und PD Dr. Timo Grimmer, München, in einem zweistufigen Verfahren für jeweils ein Projekt in den Kategorien „Klinik“ und „Präklinik“. Die beiden Gewinner erhielten jeweils 50.000 Euro des insgesamt mit 100.000 Euro dotierten Preises für die Realisierung ihrer Forschungsvorhaben.

„unmet need“ und „bahnbrechendes“ Potenzial überzeugen die Jury

Gewinner des Oppenheim-Förderpreises für Multiple Sklerose 2015 in der Kategorie „Präklinik“ war Dr. Klaus Lehmann-Horn, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Er beeindruckte die Jury mit seinem Ansatz, die „Antigen-getriebene Affinitätsreifung in meningealen B-Lymphozytenaggregationen in der experimentellen autoimmunen Encephalomyelitis“ innerhalb des Pathomechanismus der sekundär chronisch-progredienten Multiplen Sklerose (SPMS) zu untersuchen. In seinem Projekt wird der junge Wissenschaftler mit Hilfe eines experimentellen autoimmunen Encephalomyelitis-(EAE)-Modells, der sogenannten „Thx2D2“-Maus, den Ursachen der B-Lymphozyten-Aggregation, die in den Meningen beobachtet wurde, auf den Grund gehen. Wissenschaftlicher Beirat und Kuratorium waren sich einig, dass die Fokussierung auf die SPMS und die Rolle der B-Lymphozyten ein bedeutendes „unmet need“ in der MS-Forschung und damit eine hochaktuelle Fragestellung adressiert.

In der Kategorie „Klinik“ wurde Dr. Helena Radbruch, Institut für Neuropathologie, Charité Berlin, für ihr Projekt „Charakterisierung von inflammatorischen JC-Virus-Infektionen des ZNS – eine neue Krankheit relevant für Multiple Sklerose?“ ausgezeichnet. Die Gremien halten die Auseinandersetzung mit den pathophysiologischen Charakteristika von JC-Virus-Infektionen bei MS-Patienten für eine hochrelevante Forschungsidee. Die Studienergebnisse könnten nicht nur ein „bahnbrechendes“ Potenzial für die Forschung haben, sondern auch vielen Patienten zugutekommen. Denn neben der Progressiven multifokalen Leukencephalopathie (PML), die mit selektiven immunsuppressorischen MS-Therapien in Zusammenhang gebracht wird, gibt es auch PML-Fälle, bei denen die Patienten keine offensichtliche Immunsuppression erhalten haben. Bei diesen Patienten gleicht das Krankheitsbild eher einer JC-Virus-assoziierten Encephalitis mit milderem und zum Teil sogar regressivem Verlauf. Radbruch wird in ihrem Forschungsvorhaben die pathophysiologischen Charakteristika dieser seltenen JC-Virus-Infektionen analysieren und mit denen der klassischen „inflammatorischen PML" bei Immunsuppression in einer Querschnittsstudie vergleichen.

Die Preisträger stellen ihre Projekte beim Novartis Research Day Multiple Sklerose am 28. und 29. Januar 2016 in Berlin vor.



Verleihung des 6. Oppenheim-Förderpreises für Multiple Sklerose am 25. September 2015 im Rahmen der DGN-Jahrestagung in Düsseldorf.

Vorne mit Urkunde: Die Preisträger Dr. Helena Radbruch, Charité Berlin, und Dr. Klaus Lehmann-Horn, Technische Universität München.
Hinten v. li.: Die Mitglieder des Expertengremiums Prof. Dr. Sven G. Meuth, Universität Münster, Prof. Dr. Michael Platten, Universität Heidelberg, PD Dr. Timo Grimmer, Technische Universität München.
Hinten von re.: Die Vertreter des Unternehmens Novartis (v. re.) Dipl. med. Anne-Kathrin Adloff, Medical Scientific Manager, Mireille Saliba, Leiterin des Geschäftsbereichs Neuroscience, Dr. Thomas Welsh, Medical Scientific Manager, Dr. Marc Brinkmann, Leiter der klinischen Forschung im Bereich Spezialitäten-Medizin.