Spitzenforschung zur Multiplen Sklerose:
Novartis prämiert Gewinner des 8. Oppenheim-Förderpreises

Im feierlichen Rahmen des 90. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) wurde am 21. September 2018 in Leipzig zum 8. Mal der
Oppenheim-Förderpreis für Multiple Sklerose (MS) verliehen. Der Preis war in den beiden Kategorien „Präklinik“ und „Klinik“ ausgeschrieben. Beirat und Kuratorium entschieden sich in einem zweistufigen Verfahren aus den insgesamt 20 eingegangenen Projektanträgen für zwei Beiträge, die sich durch ihre Komplexität und klinische Relevanz auszeichneten. Insgesamt ist der Oppenheim-Förderpreis mit 100.000 Euro dotiert und fördert die Forschungsvorhaben junger Forschender im Bereich MS.

Hochkkomplex und klinisch relevant – die Gewinnerprojekte 2017

Mit seinem Forschungsvorhaben zu lipid-spezifischen Autoantikörpern in der Multiplen Sklerose überzeugte Dr. Tobias Volker Lanz von der Neurologischen Universitätsklinik Mannheim in der Kategorie „Präklinik“. Im Rahmen des Projekts sollen neue Lipid-Antigene identifiziert werden und ihre Funktion in der MS-Pathogenese aufgeklärt werden. Mittels einer neuartigen B-Zell-Sequenzierungstechnik konnten Antikörper aus Liquor und Blut von MS-Patienten detailliert beschrieben werden. Einige potenziell krankheitsauslösende Antikörper wurden selektiv ausgewählt und als monoklonale Antikörper rekombinant hergestellt. Ihnen können mithilfe immunologischer Methoden ihre spezifischen Antigene zugeordnet werden. Rein mit Serum- oder Liquorproben ist dies nur eingeschränkt möglich. Die Antikörper erlauben eine einfache und detaillierte Untersuchung der lipid-gerichteten B-Zell-Antwort, die in einem zweiten Schritt am Mausmodell geprüft wird. Die neu identifizierten Lipide könnten Einblicke in die Krankheitsentstehung liefern, als Biomarker dienen und möglicherweise neue Therapien begründen. Für die Jury ist der schlüssige Antrag insgesamt eine gelungene Projektidee, die mit ihrer hohen Komplexität und methodisch-technischem Anspruch zu neuen Therapien führen kann. Zudem füge sich das Vorhaben in die hochwertige Vorausbildung des Antragstellers ein.

Auch bei Dr. Viola Pongratz – Preisträgerin in der Kategorie „Klinik“ – war sich die Jury einig. Am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München wird sie langsam expandierende Läsionen bei der Multiplen Sklerose untersuchen. Ziel ist, bei MS-Patienten in verschiedenen Krankheitsstadien mittels zerebraler Magnet-
resonanztomographie (MRT) zu analysieren, ob Zusammenhänge zwischen der Läsionsentwicklung und genetischen Varianten oder kernspintomographischen Markern der Neurodegeneration bestehen. Als Basis dient ein Datensatz von 240 Patienten in verschiedenen MS-Stadien, bei denen über 5 Jahre alle 12 Monate MRT-Aufnahmen des Schädels sowie klinische und neuropsychologische Tests durchgeführt wurden.
Da bei der Mehrheit der Patienten bereits genotypische Daten vorliegen, ist die Korrelation zwischen Bildgebung und genetischen Markern möglich. Das Gremium lobt die umfangreichen Vorarbeiten von Pongratz sowie die hohen Fallzahlen des innovativen Projekts, das histopathologische Biomarker in Korrelation zu MRT-Daten bringen möchte. Bisher fehle ein solcher Biomarker, der die Progression bei fortschreitender MS anzeigt. Durch die Analyse-Software sei das Vorhaben zudem praktisch gut umsetzbar.

Die Preisträger stellten ihre Projekte beim Novartis Research Day Multiple Sklerose am 25. und 26. Januar 2018 in Berlin vor.



Verleihung des 8. Oppenheim-Förderpreises für Multiple Sklerose am 26. Januar 2018 beim Novartis Research Day MS in Berlin.

Vorne mit Urkunde: Die Preisträger Dr. Viola Pongratz, München, und Dr. Tobias Volker Lanz, Mannheim, die Mitglieder des Kuratoriums Professor Sven G. Meuth, Münster (hinten li.), Professor Michael Platten, Mannheim (hinten mi.), und PD Dr. Timo Grimmer, München (hinten re.), sowie die Mitarbeiter von Novartis Pharma (v. li. n. re.) Dipl.-Med. Anne-Kathrin Adloff, Dr. Heinke Schieb, Dr. Ute Simon, Professor Lothar Färber und Vera Giraud.